Universum Tanz
São Paulo Companhia de Dança
Erneut werden uns die geschmeidigen, dynamischen Tänzer aus São Paulo damit überraschen, wie sie die Arbeiten moderner Choreografen aus Europa interpretieren. Edward Clugs "Aperture" geht der Frage nach, ob menschliche Beziehungen einer verborgenen Mechanik folgen. Zu einer tickenden Klangstruktur spielt das Stück mit Hebeln, Spiegelungen, Sichtachsen und Beziehungsgeflechten. Aus schwarz-weißen Symmetrien entsteht ein feiner, bisweilen grotesker Witz; ein Duo für eine Tänzerin und ihre Hose gehört zu den skurrilen Höhepunkten. Doch die scheinbar autonom schnurrende Mechanik verweist immer wieder zurück ins zutiefst Menschliche. Der aus Stuttgart bekannte rumänische Choreograf schafft neben großen erzählerischen Arbeiten auch solche konzentrierten choreografischen Preziosen.
Nacho Duatos "Gnawa" entfaltet eine choreografische Welt, die von Rhythmus, Wiederholung und tranceartiger Verdichtung geprägt ist. Ausgehend von der Musik der nordafrikanischen Gnawa-Tradition entwickelt sich ein körperlich intensives System aus Kreisen, Pulsen und Gruppierungen, in dem individuelle Bewegung immer wieder in kollektive Strukturen zurückgeführt wird. Der Tanz wirkt dabei zugleich geerdet und entrückt, als würde er zwischen ritueller Erinnerung und
zeitgenössischer Abstraktion oszillieren. Die Musik fungiert als treibende Kraft eines durchkomponierten Bewegungskörpers, der Gemeinschaft nicht abbildet, sondern hervorbringt. Dass in den Arbeiten von Nadav Zelner häufig ein schräger Humor aufblitzt, ist durch zahlreiche Gastspiele in und um Ludwigsburg bekannt. Seine erste Uraufführung für São Paulo wird im November 2026 Premiere haben; dabei wird er mit indischer Musik arbeiten.