Royal Scottish National Orchestra
Anna Vinnitskaya
Das Royal Scottish National Orchestra begeisterte gemeinsam mit seinem Chefdirigenten Thomas Søndergård bereits mehrfach im Forum am Schlosspark. Nun öffnen die königlichen Schotten erneut ein eindrucksvolles Panorama britischer Musikgeschichte. Dorothy Howells sinfonische Dichtung "Lamia" wurde 1919 bei den Londoner Proms mit großem Erfolg uraufgeführt und brachte der damals erst 21-jährigen Komponistin den Beinamen "English Richard Strauss" ein. Inspiriert von
der antiken Sage und John Keats’ Gedicht über die schlangenleibige Königin entfaltet das Werk ein schillerndes spätromantisches Klangbild zwischen Verführung und Unheil.
Edward Elgars Erste Sinfonie, 1908 in Manchester unter Hans Richter uraufgeführt, galt in England als selbstbewusste Antwort auf die kontinentale Sinfonik und markierte einen Meilenstein der britischen Orchestertradition.
Peter Tschaikowskys erstes Klavierkonzert wurde von seinem Freund und Mentor Nikolai Rubinstein zunächst schroff abgelehnt, entwickelte sich jedoch nach der Bostoner Uraufführung 1875 durch Hans von Bülow rasch zu einem Schlüsselwerk des Repertoires. Seine markanten Themen und die groß dimensionierte Anlage verlangen einen ständigen Balanceakt zwischen Virtuosität und struktureller Klarheit. Anna Vinnitskaya, seit ihrem Sieg beim Concours Reine Élisabeth 2007 international gefragt, begegnet dem Werk mit einem interpretatorischen Zugriff, der
auf Durchdringung statt Effekt zielt. Ihr erklärtes Ziel ist es, "die Architektur
der Musik hörbar zu machen".