Leben des Galilei
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Der Naturwissenschaftler Galileo Galilei macht durch ein von ihm verbessertes Fernrohr Beobachtungen, die – wie es scheint – die Lehren des Kopernikus und dessen heliozentrisches Weltbild beweisen können. Galilei sieht mit seinen eigenen Augen, dass das geozentrische Weltbild der Kirche, mit dem Menschen auf der Erde als Mittelpunkt der göttlichen Schöpfung und damit Zentrum des Universums, nicht der Wirklichkeit entspricht. Obwohl er als gläubiger Christ um die drohende Todesstrafe für die Verbreitung der kopernikanischen Lehre weiß, forscht er weiter. Das gottgegebene Weltbild wird durch die wissenschaftliche Beweisführung herausgefordert und erschüttert. Fakten stehen im Widerspruch zu Dogmen, der Wille zur Wahrheitsfindung widersetzt sich dem Wahrheitsanspruch. Galilei wird von der Inquisition mit Folter und Tod bedroht und muss schmerzlich miterleben, wie Fakten und Beweise unbeachtet oder wirkungslos bleiben, wie der Glaube an eine Wirklichkeit über das Wissen siegt.
Unter den Eindrücken der Novemberpogrome in Deutschland und des Großen Terrors in der Sowjetunion begann Bertolt Brecht 1939 im dänischen Exil die Arbeit an seinem epischen Stück. Anhand der historischen Figur des Wissenschaftlers Galilei thematisiert Brecht das Dilemma des modernen Wissenschaftlers und Intellektuellen: die Abwägung zwischen dem eigenen Wohl und der gesellschaftlichen Verantwortung. Regisseur Ronny Jakubaschk hebt durch die Mehrfachbesetzung Galileis das Charakteristikum der Gelehrtenparabel hervor und verdeutlicht die Zeitlosigkeit und Relevanz Brechts für ein heutiges Publikum.