Der Unheimliche  © Frider Grindler

Der Unheimliche

Uraufführung

von Robert Muller

Nach 50 Jahren ist der alternde Verleger Sir Rudolf Ulmer wieder in Hamburg. Er erhält die Ehrenmedaille der Stadt für seine Übersetzungen bekannter deutscher Autoren ins Englische. Ulmer wurde in Hamburg geboren, aber die jüdische Familie floh 1938 vor dem nationalsozialistischen Terror nach London. Nur seine geliebte Großmutter war zu gebrechlich für die beschwerliche Überfahrt.

 

Ulmer steigt im Hotel Metropol ab. Am nächsten Morgen meldet sich überraschend ein Mann namens Werner Tietjen in der Luxussuite des Verlegers an und stellt sich als Freund aus Kindertagen vor. Während des folgenden Gesprächs lässt Tietjen durchblicken, dass Ulmers Großmutter wohl nicht an einer Lungenentzündung verstarb, wie dieser glaubt. Die Bemerkung lässt Ulmer nicht los und er beschließt, dem nachzugehen.

 

Immer öfter kommen in Ulmer nun frühe, offenbar verdrängte Erinnerungen hoch. Das vermeintliche Schicksal seiner Großmutter beschäftigt ihn so sehr, dass er diesen Erinnerungsprozess weiter und weiter vorantreibt. Ulmers von Tietjen unterstützte Nachforschungen entwickeln einen fatalen Sog. Nüchterne Namenslisten und Verordnungen reichern sich mit persönlichen Erlebnissen und alltäglichen Begebenheiten im Deutschland seiner Kindheit an: judenfeindliche Kinderbücher, Pimpfenprüfung, öffentliche Schmähungen, Volkslieder. Verzweifelt und wütend ob seiner jahrelangen Lebenslüge und seinem „unverdienten Überleben“ verliert sich Ulmer zusehends in seinen Recherchen. Sein Selbstbild bröckelt immer weiter und bald hat er rein gar nichts mehr mit dem gelassenen englischen Gentleman gemein, der er einmal war.

Künstler

Mirjam Neidhart (Regie), Marion Eisele (Bühne & Kostüme), Moritz Finn Kleffmann (Musik)

Mit Marcus Michalski, Kristin Göpfert, Christian A. Koch u. a.

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