Wolken.Heim.
Was zeichnet es aus, das Deutsche? – Eine Collage über Nationalismus und Wir-Gefühl aus Zitaten von Hölderlin, Hegel und Kleist bis hin zu Texten der RAF.
Was zeichnet es aus, das Deutsche? Woraus speist sich ein Gefühl von Zugehörigkeit? In „Wolken.Heim“. beschwört ein Kollektiv aus vier Frauenstimmen beständig eine Gemeinschaft, erst vorsichtig spekulierend, dann fordernd: „Wir sind wir. Nur bei uns sind wir zuhaus.“ Sie jonglieren mit längst überwunden geglaubten Begriffen und Ansichten von Heimat, Boden, Schuld und Nation und legen darin ein überzeitliches nationalistisches Gedankengut frei, das tief in den Generationen wurzelt.
Sprache und Sprechende formen sich in „Wolken.Heim.“ immer wieder zu einem sich manisch wiederholenden und wiederholten „Wir“, das sich in Fremdenfeindlichkeit und Abschottung selbst bestätigt und seine Identität durch die Ausgrenzung des Anderen erzeugt. Die Sehnsucht und die Suche nach klaren Zugehörigkeiten, Zusammenhalt und einer deutschen Identität begleiten jeden Satz, lassen Vermutungen zu Gewissheiten und Behauptungen zu Fakten werden.
Elfriede Jelineks „Wolken.Heim.“ ist eine Collage aus Zitaten von Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte und Kleist bis hin zu Texten der RAF. Die Versatzstücke sind miteinander verflochten, entfremdet, mitunter bewusst sinnentstellt und legen die Wurzel des Nationalismus als ideologisiertes (deutsches) Wir-Gefühl frei. Durch die Montage entlarvt Jelinek die Inszenierung von Sprache und gleichzeitig die Bausteine einer rechten Rhetorik, derer sich Nationalisten bis heute bedienen.
Spieldauer: 1 Std. 20 Min. (keine Pause)