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Stuttgarter Kammerorchester
Rhythmus und Passion
"Man kann nicht lernen, ein Komponist zu sein. Man kann viele nützliche Dinge für dieses Metier erlernen. Aber als Komponist wird man geboren." Frank Martin
Vom Musenkuss bis zum Schlussakkord ist das Komponieren oft ein steiniger Weg. Trotzdem hätten weder Schubert oder Bartók noch der Schweizer Frank Martin die Berufung je für etwas Bequemeres eingetauscht. Musik zu schreiben bedeutete für sie, Neuland zu betreten und Verbindungen zu schaffen. Schuberts pulsierender Quartettsatz von 1820 verbindet sich im Geiste mit Beethovens "Serioso", hat aus unbekannten Gründen keine Fortsetzung und ist vielleicht gerade deshalb ein so packendes Einzelstück. Frank Martins "Polyptyque" (1973), eine instrumentale Passion, verbindet sich auf ergreifende Art mit sechs Altarbildern des Mittelalter-Meisters Dubbio und gibt die verantwortungsvolle Rolle des Gottessohnes der Solovioline, hier interpretiert vom Weltklasse-Geiger und SKO-Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Bartók experimentierte im Wohnzimmer mit eigens angelieferten Instrumenten, um Klangfarben völlig neu zu verbinden, nämlich in vier kontrastreichen Sätzen für Streicher, Harfe und Klavier, in denen eine Celesta, ein Xylofon, Pauken, Trommeln, Peitsche u. v. m. ihren großen Auftritt haben. Das Experiment, Bartóks wohl perfektester Wurf, reißt das Publikum (und das Orchester!) heute noch von den Stühlen. Bei der Basler Uraufführung 1937 gab es das Finale gleich noch mal als Zugabe.