Lady Macbeth von Mzensk
Was für ein Leben! Katerina, freiheitsliebend und voller Sehnsucht, ist gefangen in einer patriarchalen Hölle: für ihren Ehemann ist sie nur eine potenzielle Mutter, ihr Schwiegervater stalkt und tyrannisiert sie. Gewalt an Frauen gehört am Hof der altrussischen Kaufmannsfamilie zur Tagesordnung. Auch der junge Arbeiter Sergei ist ein perfider Macho – und doch erscheint er Katerina zunächst als Wegbereiter eines neuen, glücklicheren Lebens. Sie stürzt sich in eine Affäre mit ihm und geht von nun an keine Kompromisse mehr ein: Um ihr vermeintliches Glück mit Sergei nicht mehr loslassen zu müssen, tötet sie erst den Schwiegervater, dann den Ehemann und heiratet schließlich ihren Liebhaber. Doch der Honeymoon des frisch vermählten Paares endet auf dem Marsch ins sibirische Straflager. Als Sergei dort mit einer jüngeren Frau anbandelt, bricht Katerinas Welt zusammen: „Im Wald, mitten im Dickicht, liegt ein See, fast rund und sehr tief. Und das Wasser darin ist schwarz, schwarz wie mein Gewissen“, singt sie – und stürzt sich mit ihrer Rivalin in die eisige Wolga.
Die 1934 uraufgeführte Oper schildert den weiblichen Befreiungsversuch innerhalb eines Systems, das nur die Gewalt als Mittel der Selbstbehauptung kennt und Frauen keinen eigenen Raum zugesteht. Dmitri Schostakowitsch hat diese Geschichte in eine überwältigende Musik gepackt, die jeglichen Rahmen sprengt: zwischen greller Groteske und großem Gefühl tun sich in ihr die Sehnsüchte und Abgründe der menschlichen Existenz auf. Dirigiert wird das Ausnahmewerk vom neuen Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart, Nicholas Carter. Regisseurin Ulrike Schwab lässt die Geschichte aus Sicht der weiblichen Hauptfigur lebendig werden – als düsteren Erinnerungstrip, in dem Realität, Fantasie und Traum ineinander verschwimmen.