La Bohème

von Giacomo Puccini

Andreas Moses zielt bei seiner Inszenierung besonders auf die Produktionszusammenhänge von Kunst und setzt dabei Puccinis musikalische Kostbarkeiten neu in Szene.

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln; Altersempfehlung: ab Klasse 9

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bohème möglicherweise romantisch-jugendliches Überlebensspiel: „Jeder Tag ihrer Existenz ist ein geniales Kunststück, ist ein tagtäglich von neuem auftauchendes Problem, das zu lösen ihnen mit Hilfe verwegener Rechenkünste immer gelingt. Wenn dann ihr letzter Heller tot und begraben ist, beginnen sie wiederum am Mittagstisch des Zufalls zu speisen, wo immer er für sie gedeckt ist, und mit einer Meute von Listen wildern sie in allen Gewerben, die irgendwie mit der Kunst verwandt sind, und jagen vom Morgen bis zum Abend das wilde Tier, genannt Fünffrancsstück.“ So beschreibt Henri Murger 1851 die Bohème in seinem gleichnamigen Roman, der Stoffgrundlage für die Oper.

Puccinis Oper von 1895wird wegen ihrer gesanglichen Kostbarkeiten und emotionalen Extremsituationen geliebt. Sie ist aber auch prägnanter Ausgangspunkt für Interpretationen des Verhältnisses Künstler/Gesellschaft quer durch die Geschichte der Moderne. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war es für die „Bohemiens“ unabdingbar, ihre prekären Lebensumstände als gegen alle Bürgerlichkeit gewendeten Lebensentwurf zu feiern. Als letzte Konsequenz des modernen Künstlerdaseins gilt es heute, sich selbst zum Kunstwerk zu erklären und auf den Kunstmarkt zu werfen.

„Ich bin der Poet und Mimì ist die Poesie“, singt Rodolfo. Als Mimì am Ende zwischen den Kunstwerken in Marcellos Atelier selbst zum Kunstobjekt wird, ist die auf die Produktionszusammenhänge von Kunst zielende Inszenierung von Andrea Moses besonders klar und bitter. Eine „höchst unterhaltsame, temporeiche, von allen Süßstoffen befreite Bohème“ befand der Bayerische Rundfunk. Puccini, Freund schneller Autos und schneller Liebschaften, gründete übrigens während der Arbeit an La Bohème einen gleichnamigen Männerclub, dessen Statuten u. a. vorsahen: „Klugheit ist nicht zugelassen, außer in Ausnahmefällen“.

La Bohème
La Bohème

Termine

 
Wann
Wo
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Do. 11. Apr 2019 - 19:01 Uhr
Staatstheater Opernhaus
 
Wann
Wo
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Di. 30. Apr 2019 - 19:01 Uhr
Staatstheater Opernhaus
Künstler

Cornelius Meister/ Thomas Guggeis (Musikalische Leitung), Andrea Moses (Inszenierung), Thomas Wieck, Moritz Lobeck (Dramaturgie)

Mit: Pavel Valuzhin (Rodolfo), Andrew Bogard (Schaunard), Johannes Kammler / Jarett Ott (Marcello) u.a. sowie Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart

Programm

Einführung 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn im Foyer I. Rang

 

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