Juli 2020

Von Schweden bis zum Südpol und nach Nordkorea

Vorschau auf die Reihe »Universum Tanz« im Ludwigsburger Forum am Schlosspark

Ein reiches Spektrum an Stilen und Gedanken bietet auch in der nächsten Spielzeit wieder die Tanzreihe im Ludwigsburger Forum am Schlosspark. Mit der trefflichen Auswahl des künstlerischen Leiters Lucas Reuter gehört sie zu den interessantesten und am reichsten bestückten Gastspielreihen in Deutschland – Tanzfans in Berlin oder München würden sich glücklich schätzen, könnten sie so viele Compagnien von dieser Qualität in einer Spielzeit sehen. Mit der gemeinsamen Reihe „Universum Tanz“ ist die Kulturgemeinschaft bei allen acht hochkarätigen Gastspielen aus der ganzen Welt dabei, die Vielfalt reicht vom Tanztheater über die abstrakte Moderne bis hin zum Literaturballett.

Den ehemaligen Stuttgarter Choreografen Marco Goecke bringt das NDT 2 zurück: „Wir sagen uns Dunkles“ ist von einem Gedicht Paul Celans inspiriert. Die Juniorencompagnie des Nederlands Dans Theater hat außerdem ein Stück von Johan Inger und einen Klassiker des einstigen Gründervaters Hans van Manen im Gepäck. Der eigenwillige Schwede Johan Inger kreiert auch einen brandneuen „Don Juan“ für das italienische Aterballetto, holt den ewigen Verführer zu Musik von Gluck und Mozart in die Moderne. Wie urteilt die Gesellschaft heute über ihn?

In die Sommersonnenwende tanzt das Dortmunder Ballett: Mit dem grotesken Witz des Nordens, mit surrealen Bildern und reichlich Heu auf der Bühne feiert Alexander Ekman einen wild-fantastischen „Mittsommernachtstraum“. Dann lässt ein arabischstämmiger Choreograf zu einer katholischen Messe über die Liebe tanzen: „Wahada“ heißt „Versprechen“, und das löste Wolfgang Amadeus Mozart mit der Komposition seiner c-Moll-Messe ein, weil seine Frau wieder gesund wurde. Abou Lagraa kombiniert zeitgenössischen Tanz, Ballett und Hip-Hop, das Ballet du Grand Théâtre aus Genf bringt außerdem ein Werk von Andonis Foniadakis zu Musik von Philip Glass. Mit asiatischen Fächertänzen und strammen Militärparaden zeigt die Südkoreanerin Eun-Me Ahn den Tanz in der anderen Hälfte ihres Landes: „North Korea Dance“ ist von der Sehnsucht nach einer ungeteilten Heimat geprägt und schildert grell und sublim, mit Witz und Tragik die Brüche zwischen Diktatur und Tradition.

Die Schwerkraft ist das, was Tänzer ständig zu überwinden versuchen; Angelin Preljocaj aus Frankreich hat ihr mit „Gravité“ einen ganzen Abend gewidmet. Getanzt wird auf Spitze und mit barfüßiger Bodenhaftung, zu Barockmusik wie Techno-Rhythmen. Das Stück ist in eine elegante Schwarzweiß-Ästhetik gehüllt, Maurice Ravels „Bolero“ setzt das Ausrufezeichen am Schluss. Vom Südpol und vom Klimawandel berichtet das Australian Dance Theatre in „South“: Direktor Garry Stewart geht an die Grenzen unserer Welt und lässt die Elementarkräfte der Natur auf die Körper der Menschen wirken. Mit „Anna Karenina“ schließlich kehrt ein weiterer verlorener Sohn aus Stuttgart zurück: Christian Spuck schuf die Literaturadaption nach Leo Tolstoi für sein Zürcher Ballett, wo sie seit 2014 Triumphe feiert. Zu Musik von Sergej Rachmaninow und Witold Lutoslawski, mit emotionalen Pas de deux und in prachtvollen Kostümen zeigt er die bedingungslose Liebe der Protagonistin und die Verachtung der Gesellschaft für die Ehebrecherin.

Angela Reinhardt

Weitere Artikel
Juli 2020
Wie geht es weiter?

Offener Brief der Geschäftsleitung an unsere Mitglieder und unsere Kulturpartner

Von Schweden bis zum Südpol und nach Nordkorea

Vorschau auf die Reihe »Universum Tanz« im Ludwigsburger Forum am Schlosspark

Wie geht es der Kultur?

Wir setzen die Umfrage zur aktuellen Situation unter unseren Kulturpartnern fort

Im Schutz der Anonymität

Die Maske im Theater - von den alten Griechen bis heute

Juni 2020
Danke für Ihre Solidarität!

Offener Brief des Vorstands der Kulturgemeinschaft an unsere Mitglieder und unsere ...

Wie geht es Ihnen?

Wir haben unsere Kulturpartner gefragt, was die aktuelle Situation für sie bedeutet.

In Aufbruchsstimmung

Die Kunst um 1900 wird das Fokus-Thema der kommenden Saison sein: ein Vorausblick

März 2020
Raten Sie mal!

Zum 30-jährigen Jubiläum des Kunst-Abos

Musik für offene Türen

Katia und Marielle Labèque spielen mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Musik für einen guten Zweck: »Heartbeats«

Drei Fragen an den Dirigenten des Bundeswehr-Musikkorps

Februar 2020
Geschichte und Geschichten

Sechs Kunsterlebnisse führen von Mai bis Juli an außergewöhnliche Orte

Übersetzt in Streichersprache

Alban Gerhardt präsentiert Schumanns Cellokonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Getanzter Liebestod

Wagners »Tristan & Isolde« als Ballett im Forum am Schlosspark

Januar 2020
Die Ohren dem Genuss öffnen

Beethovens Violinkonzert und seine Interpreten: Eine Betrachtung

Besuch bei einer alten Dame

Die letzten Tage der Kriminalschriftstellerin Patricia Highsmith

An Neujahr wollen wir Spaß haben

Drei Fragen an Dan Ettinger

Verwendung von Cookies

Zur Bereitstellung des Internetangebots verwenden wir Cookies. Bitte legen Sie fest, welche Cookies Sie zulassen möchten

Diese Cookies sind für das Ausführen der grundlegenden Funktionen der Website notwendig und können nicht abgewählt werden. Diese Cookies dienen nicht zum Tracking.

Funktionale Cookies dienen dazu, Ihnen externe Inhalte anzuzeigen.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen wie unsere Webseite genutzt wird. Dadurch können wir unsere Leistung für Sie verbessern. Zudem werden externe Anwendungen (z.B. Google Maps) mit Ihrem Standort zur einfachen Navigation beliefert.

  • Wird verwendet, um Daten zu Google Analytics über das Gerät und das Verhalten des Besuchers zu senden. Erfasst den Besucher über Geräte und Marketingkanäle hinweg.