Oktober 2018

Programme, Pläne und Paläste

Bei den Foyer-Gesprächen der Kulturgemeinschaft  kommen die Zuschauer Kulturschaffenden ganz nah

Wie entstehen Stücke, Spielzeitprogramme, Ausstellungen?  Was Kulturschaffende antreibt, ist bei  der Kulturgemeinschaft Stuttgart zu erfahren:  Dort stellen sich Kreative verschiedenster Gattungen  etwa einmal im Monat bei »Kultur im Foyer«  beziehungsweise »Kunst im Foyer« den Fragen  von Mitarbeitenden und dem Publikum. Der erste  Gast der losen Reihe ist in der aktuellen Saison  Viktor Schoner, der in dieser Spielzeit sein Amt als  Intendant der Staatsoper Stuttgart antritt. Am  17. September spricht er mit der Geschäftsstellenleiterin  Ulrike Hermann und ihrer Stellvertreterin  Ute Harbusch über seine Pläne.

Es ist die erste Intendanz des 44-Jährigen, der in  Aschaffenburg aufwuchs, Bratsche und Musikwissenschaften  in Berlin studierte. Das Operngeschäft  hat er aus vielen Perspektiven kennengelernt,  etwa als persönlicher Referent und dramaturgischer  Mitarbeiter von Gérard Mortier, damals  Intendant der Salzburger Festspiele. Mit ihm  ging Schoner zur Ruhrtriennale, entwickelte das  Konzept mit, und an die Oper Paris. Zuletzt war  er Betriebsdirektor an der Bayerischen Staatsoper  in München. Er mag den Drei-Sparten-Gedanken  in Stuttgart. Er sei ein Suchender, betont er, etwa  nach dem, was Theater sei: »Wenn die Künstler  aufhören zu suchen, ist es vorbei mit der Kunst.«  Was die Landeshauptstadt ausmacht, das diskutiert  Klaus Jan Philipp, Leiter des Stuttgarter Instituts  für Architekturgeschichte, am 15. Oktober mit  Michael Wenger vom Kunst-Büro der Kulturgemeinschaft.  Vom Mittelalter bis heute blicken sie  auf das Thema »Stuttgart – Planstadt?«. Anlass: Der  legendäre Generalbauplan für Stuttgart, den  Nikolaus Friedrich Thouret, der Hofbaumeister von  König Friedrich von Württemberg, entwarf, wird  zweihundert! Auch die »Architektenstadt« Stuttgart  wird analysiert, die ihre Baugeschichte zu negieren  scheint. Philipp promovierte über die mittelalterliche  Architektur in Südwestdeutschland. Er organisierte  am Deutschen Architekturmuseum in  Frankfurt am Main die Schau »Revolutionsarchitektur  « und war Professor für Bau- und Stadtbaugeschichte  an der Kunsthochschule Hamburg.

Zwei Kunsthistorikerinnen stellen am 22. Oktober  Kunstreisen vor, die die Kulturgemeinschaft im  März 2019 mit Binder Reisen anbietet. Andrea  Welz entführt nach Marokko – in Paläste, Souks,  zu Schlangenbeschwörern und Geschichtenerzählern  des Djemaa el Fna, auf den Markplatz in  Marrakech, zum Yves-Saint-Laurent-Museum  und zu André Hellers »Paradiesgarten Anima« im  Ourika-Tal. Dass »Mallorca – Künstler, Gärten und  Jugendstil« Entdeckungen jenseits der Touristenpfade  bietet, zeigt Ricarda Geib: »Es Baluard«, das  Museum für moderne und zeitgenössische Kunst  in Palma, die im Norden traumhaft gelegene  Fundación Jakober mit der privaten Kunstsammlung  des Künstlerpaars Yannick y Ben Jakober  oder das Ex-Atelier von Joan Miró in Cala Mayor.  Musik ist am 29. Oktober Thema. Markus Korselt,  seit 2017 Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters  (SKO), spricht über die aktuelle Spielzeit – die  erste aus seiner Feder. Wie man ein Programm  für ein Orchester maßschneidert, das eine klangliche  Bandbreite von Barock bis zu zeitgenössischen  Komponisten hat, schildert er Ulrike Hermann  und Ute Harbusch. In dieser Saison ist der  Alte-Musik-Star Trevor Pinnock ebenso Gast beim  SKO wie der österreichische Elektronik-Musiker  »Elektro Guzzi«. Beim Konzert »Local Heroes«  sind genialische, vergessene Werke von Komponisten  aus Stuttgart und der Region zu entdecken,  etwa von Anton Stamitz und August Halm.

 

Petra Mostbacher-Dix

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