Juni 2019

Mehr als nur die Wilhelma

König Wilhelm I. von  Württemberg als Förderer der Künste

Leicht hatte er es nicht. Als Wilhelm I. im Jahr 1816 König von Württemberg wurde, verdüsterte sich das Wetter schlagartig. Es war nicht die Schuld des R egenten, sondern die des Vulkans Tambora, der ein Jahr zuvor in Indonesien ausgebrochen war. Die Asche veränderte das Wetter auch in Europa. Das Ergebnis waren Missernten und Hunger. So ist W ilhelm I. vor allem als der König in die Geschichte eingegangen, der die Landwirtschaftliche Versuchsanstalt in Hohenheim gründete, aus der später die Universität Hohenheim hervorging. Auch das Landwirtschaftliche Hauptfest hat er ins Leben gerufen.

Bei dem Kunsterlebnis »Wilhelm I. und die Künste« kann man den Monarchen nun von einer anderen Seite kennenlernen. Er war nämlich auch ein Sammler und Förderer der Künste. Der heutigen Staatsgalerie, die 1843 als »Museum der Bildenden Künste« eröffnet wurde, schenkte er einen großen Bestand an Werken aus königlichem Besitz. Der König war dem Museum stets eng verbunden und überreichte ihm jedes Jahr nicht nur ein neues Werk, sondern erwarb für es 1852 in Venedig auch die große Sammlung »Barbini-Breganze« mit 250 bedeutenden Werken des italienischen Barock. Die Kunsthistorikerin Ricarda Gib erinnert in der Staatsgalerie daran, wie wichtig der König für die Kunst im Land war. Er förderte gezielt zeitgenössische Künstler und umgab sich auch privat gern mit Kunst in seinen Schlössern Rosenstein und Wilhelma. Wilhelm wollte sich aber nicht nur selbst an der Kunst erfreuen, sondern ging durchaus mit pädagogischem Eifer ans Werk. Er unterstützte das Museum auch deshalb, weil er den Geschmack seiner Untertanen bilden wollte.

Eine besondere Leidenschaft des Königs galt Aktdarstellungen. Deshalb führt das Kunsterlebnis nach einer Kaffeepause im Restaurant Fresko weiter in den Schlossgarten. Hier träumen zwischen den Bäumen und Sträuchern noch heute sinnliche Nymphen aus Stein. Auch die berühmten »Rossbändiger« im Unteren Schlossgarten geht auf Wilhelm zurück. Die beiden Marmorgruppen des Bildhauers Ludwig von Hofer entstanden während s einer Amtszeit. Hofer, der 1801 in Ludwigsburg geboren wurde, war lange in München und Rom tätig. 1838 kehrte er nach Stuttgart zurück, wo der König sofort ein Werk von dem international gefragten Schwaben kaufte. In den folgenden Jahren beauftragte er Hofer immer wieder, für den Schlossgarten kolossale Skulpturen zu entwerfen.

 

Adrienne Braun                                                 

Weitere Artikel
September 2019
Erde, Luft und Hochzeitsmusik

Willkommen: Thomas Zehetmair gibt sein Antrittskonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Junge Wilde, alte Hasen

Deutschlandweit einzigartig: Das Kunst-Abo der Kulturgemeinschaft feiert sein ...

Wegweisend für die Aufklärung – und für Esslingen

Mit »Kabale und Liebe« eröffnet die Württembergische Landesbühne die ...

Was Esel mit Musik zu tun haben

Die Festival Strings Lucerne mit Felix Klieser und das Stuttgarter Kammerorchester mit Rafal ...

Juli 2019
Jenseits vom Weißenhof

Das Bauhaus-Jubiläum als Schwerpunkt des Kunstprogramms 2019/20

Das Bauhaus tanzt

Das Stuttgarter Ballett feiert 100 Jahre Bauhaus und Weimarer Verfassung

Leg dich nicht mit Männern an

Auch in diesem Jahr werden in der Oper Frauen misshandelt, verkauft und ermordet

Kommunikativ und neugierig

Matthias Foremny verabschiedet und Thomas Zehetmair kommt zum Stuttgarter Kammerorchester

Juni 2019
Ein Konzerthaus für Stuttgart

Die Sprecher der »Konzerthaus-Initiative« erläutern ihre Vorhaben und Ideen

Mehr als nur die Wilhelma

König Wilhelm I. von  Württemberg als Förderer der Künste

»Das ist nicht zu glauben, was in der Musik für Feuer ist«

Das Stuttgarter Kammerorchester widmet sich den Lokalhelden der Musik von gestern und heute

Mai 2019
Liebe, Streit und Who’s who?

4 Inszenierungen an 3 Häusern zeigen Stücke von und über William Shakespeare

»Musik soll für sich sprechen«

Der kanadische Pianist Jan Lisiecki spielt Klavierkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy

Purer, starker Tanz

Die Dresden Frankfurt Dance Company gastiert im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg

April 2019
Brasilien ist ansteckend

Grupo Corpo aus Brasilien kommt mit zwei Choreografien ins Forum am Schlosspark 

Aus den Tiefen der Viola

Der Bratschist Antoine Tamestit gastiert beim SWR Symphonieorchester in der Liederhalle

Urschrei aus Stuttgart

Die Stuttgarter Philharmoniker und SWR Big Band

März 2019
Momente des Abhebens

Saxofonistin Asya Fateyeva im Konzert mit Stuttgarter Kammerorchester

Zurück zur Moderne

Stuttgarter Ballett feiert mit „One of a Kind“ Jirí Kylián