Dezember 2019

Macht Veganismus schwul?

Lachen im Abo: Beim Renitenzgipfel geht es alles andere als politisch korrekt zu

Politiker müssen sich warm anziehen. Denn Lisa Fitz ist nicht zimperlich. Die Große Koalition bezeichnet die Kabarettistin gern als »holprige Dilettantentruppe «. Angela Merkel bescheinigt sie »postheroisches Regieren«, sie mache trotz aller Kritik im feudalherrschaftlichen Stil weiter. Lisa Fitz ist nicht nett, will sie auch gar nicht sein. »Es muss gestritten werden«, sagt sie, »freie Rede, solange es noch geht.« Und das tut sie auf der Bühne in ihren Programmen. Ihr Credo: unbedingte Diskussionskultur.

Nun ist die bayerische Kabarettistin in Stuttgart zu Gast und eröffnet den Renitenzgipfel. Das Renitenztheater und die Kulturgemeinschaft haben das Programm gemeinsam aufgelegt, denn Renitenz tut in diesen politisch schwierigen Zeiten Not. »Flüsterwitz« nennt sich das Kabarettprogramm von Lisa Fitz. Mit Flüsterwitzen sind nicht kleine schweinische Witzchen gemeint, die man sich hinter vorgehaltener Hand erzählt und die bei Klosterschülern Schnappatmung verursachen, erklärt Lisa Fitz. Ihr geht es vielmehr um den politischen Flüsterwitz, der gerade in autoritären und totalitären Systemen beliebt sei.

Lisa Fitz sagt und singt, was sie denkt – denn dafür ist die Kabarettbühne da. Sie ist der Ort, an dem gern kräftig ausgeteilt wird, aber mit gutem Grund, denn Kabarettisten wollen nicht nur unterhalten, sondern die Welt ein bisschen besser machen. Für Lisa Fitz gehört dazu, zu wissen, wie die Dinge laufen, sie liest so ziemlich alles, was ihr in die Finger kommt: Romane, Sachbücher und natürlich Zeitungen. Nach dem Motto: Wissen ist Macht.

Christoph Fritz schaut mit seiner Nerd-Brille zwar brav aus, aber auch er kann böse sein, sehr böse sogar. Der Niederösterreicher ist gerade mal Mitte zwanzig, aber hat mit seinem ersten Soloprogramm bereits den Förderpreis des Österreichischen Kabarettpreises bekommen. In einem sind sich Lisa Fitz und Christoph Fritz einig: Politische Korrektheit hat auf der Kabarettbühne nichts zu suchen. Deshalb scheut Christoph Fritz in seinem Programm »Das jüngste Gesicht« nicht zurück vor Themen wie Religion, Flucht, Selbstmord oder Pädophilie. Kein Sumpf, in den der junge Kabarettist nicht hineinwaten würde. Dabei schlachtet er auch genüsslich seine eigene Lebensgeschichte aus, die auf dem Land begann, wo mancher angeblich glaubt, dass Veganismus die Einstiegsdroge zur Homosexualität sei. Meckern können viele – im Kabarett ist die Kritik dagegen mit Witz und Pointen gewürzt. »Ein Leben ohne Humor ist möglich, aber nicht erstrebenswert «, behauptet denn auch Ernst Mantel. Er kann alles – singen, musizieren, sich verwandeln und vor allem Schwäbisch schwätzen. Ernst Mantel ist ein Sprachjongleur, der sich höchst komisch die schwäbische Sprache vornimmt und dabei zum Lachen bringt. Beim Renitenzgipfel beweist er allerdings, dass hinter dem scheinbar Banalen oft kluger Hintersinn aufblitzt.

Adrienne Braun

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