Februar 2020

Getanzter Liebestod

Wagners »Tristan & Isolde« als Ballett im Forum am Schlosspark

»Grüß mir die Welt!«, ruft Richard Wagners Isolde triumphierend ihrer Begleiterin in dem Moment zu, als sie ihren Mord an Tristan plant, an jenem verhassten Ritter, der ihren Verlobten getötet hat und nun sie, die irische Königstochter, übers Meer zu einem neuen Gatten bringt. Tristan, den Isolde heimlich und verzweifelt liebt und den sie genau aus diesem Grund mit einem Gifttrank töten will. Isoldes Abschiedsworte an die Welt, mit denen diese Geschichte einer todesseligen Liebe erst beginnt, machte die Choreografin Joëlle Bouvier zum Titel ihres Balletts, das 2015 als »Salue pour moi le monde!« in Genf Premiere hatte und seitdem Erfolge feiert.

Ballette zu Wagner-Musik sind selten, generell gibt es wenig Ballette zu Opernmusik mit Gesang. Die Choreografin aus der französischen Schweiz findet als Er gänzung zu Wagners überwältigenden Klängen einen puren, im schönsten Sinne ungekünstelten Tanz voll Emotion und Leidenschaft. Barfuß und fließend bewegen sich die ausdrucksstarken Tänzer in einem sparsamen Bühnenbild, das mit Holz und einem Schiffstau an die raue See erinnert, wo die Handlung beginnt. Die Liebenden treffen sich im nächtlichen Garten zum ekstatischen Duett, werden von König Marke entdeckt und wollen fortan nur noch den Liebestod sterben.

Joëlle Bouvier ist eine feste Größe der Bewegung Nouvelle Danse Française, des Neuen französischen Tanzes. Nachdem sie die staatlichen französischen Tanzzentren in Le Havre und Angers geleitet hat, arbeitet sie heute als freie Choreografin. »Sie repräsentiert am schönsten jenen warmen, lebendigen, instinktiven und theatralischen Tanz, der keine Angst vor der Gewalt der Gefühle kennt«, schrieb eine französische Kritikerin über Bouvier, die 2016 für ihr »Tristan«- Ballett mit dem Preis der französischen Kritikervereinigung ausgezeichnet wurde.

Getanzt wird zur berühmten Aufnahme von Carlos Kleiber mit der Staatskapelle Dresden, die Sänger sind Margaret Price und René Kollo. Den feinen Schmerz, Wagners vierstündige Oper hier auf pausenlose, intensive neunzig Minuten verdichtet zu hören, wiegt sicher die Aussicht auf, das berühmte Paar einmal nicht als Opernsänger am Rande ihrer Stimmkraft, sondern als junge, leidenschaftliche Liebende »in des Welt-Atems wehendem All« versinken zu sehen.

 

Angela Reinhardt

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