Dezember 2019

Der Märchenstar im Interview

Drei Fragen an Aschenputtel

Aschenputtel ist eine der bekanntesten Figuren der Literaturgeschichte. Unser Autor Cornelius W. M. Oettle hat den Märchenstar, der in Stuttgart zur Weihnachtszeit gleich in drei Häusern zu sehen ist, zum Interview getroffen.

Frau Aschenputtel, in der Liederhalle ist bald der Weihnachtsklassiker »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« mit Live-Begleitung der Württembergischen Philharmonie Reutlingen zu sehen. Warum eigentlich Aschenbrödel und nicht Aschenputtel?

Musik von Karel Svoboda live zu hören, macht den Film noch schöner. Aber zu Ihrer Frage: Als die Grimm-Buben meine Geschichte in ihre Kinderund Hausmärchensammlung aufnahmen, wurde sie ja schon »aller Enden erzählt«, wie die Brüder damals selbst festhielten. Auch weil bereits eine sehr ähnliche Geschichte aus der Feder des Franzosen Charles Perrault mit dem Titel »Cendrillon oder Der kleine gläserne Pantoffel« kursierte, auf der später der Walt-Disney-Zeichentrickfilm »Cinderella « fußte. Jedenfalls hatte ich damals im deutschsprachigen Raum etliche Namen: Mancherorts Aschenputtel, andernorts aber etwa Äscherling oder Aschengrittel oder eben auch Aschenbrödel.

Die Komödie im Marquardt zeigt »Zwei Tauben für Aschenputtel« – eine Inszenierung, die sich an Kinder ab fünf Jahren richtet. Was halten Sie davon?

 Ich selbst habe bekanntlich schlechte Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen gemacht. Sie wissen ja, wie meine Stiefschwestern mit mir umgegangen sind. Das habe ich aber längst verwunden. Es freut mich, dass eine so alte Geschichte beim jüngeren Publikum noch so gut ankommt! Darüber hinaus ist es famos, dass die zwei Tauben im Titel erwähnt werden – ohne die beiden würde ich heute vermutlich nach wie vor in der Asche beim Herd in der Küche schlafen und tagsüber Linsen auslesen.

Die Stuttgarter Oper gibt »La Cenerentola«. Wie gefällt Ihnen Gioachino Rossinis Bearbeitung Ihrer Geschichte? Gehen Sie gern in die Oper?

Aber ja! Vor allem, wenn die titelgebende Frau der Oper am Ende ausnahmsweise mal nicht umgebracht wird! Überdies bin ich sehr musikalisch. Ich tanze auch gerne – aber nur, wenn die Schuhe gut sitzen! (lacht) Doch Spaß beiseite: Rossini hat bei seiner Bearbeitung meiner Biographie die zauberhaften Momente wie etwa die hilfsbereiten Vögel weggelassen. Ich finde das zwar etwas schade, aber es ist schon in Ordnung. Bei Rossini geht es eben zuvörderst um die Liebe, die ja in gewisser Hinsicht auch etwas Magisches ist. Und natürlich ums Geld, das die Menschen nach wie vor zu unfassbaren Taten bewegt: Zu meiner Zeit haben sich die Mädchen einen Zeh abgeschnitten, um einen reichen Mann zu bekommen. Heute machen sie beim Bachelor auf RTL mit. Muss jeder für sich entscheiden, was schlimmer ist. Was mir aber wirklich gut an der Opernfassung gefällt: Das italienische »La Cenerentola« klingt doch viel reizender als das deutsche »Aschenputtel«, nicht wahr?

Cornelius W. M. Oettle

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