April 2018

Außergewöhnlich und attraktiv

Ludwigsburger Schlossfestspiele

Es ist die vorletzte Saison von Thomas Wördehoff  als Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele,  und das von ihm seit 2010 geschaffene, genreübergreifende  Konzept ist auch diesmal unverkennbar.  Es äußert sich schon mit dem Motto »Ins  Ungewisse«, das Wördehoff so definiert: »Kunst  ist immer auch ein Gang ins Offene, denn ein kreativer  Prozess bedeutet für alle, die sich ihm unterziehen,  das Vortasten in ein unbekanntes Terrain.  « Grenzgänge zwischen den verschiedenen  musikalischen Genres sind Programm, was sich  in einigen der von der Kulturgemeinschaft angebotenen  Konzerte manifestiert. So zum Beispiel  beim Auftritt von Teitur und Nico Muhly mit Holland  Baroque im Ludwigsburger Scala Theater.  Der Singer-Songwriter von den Faröer Inseln und  der amerikanische Komponist und Arrangeur  trafen sich vor zwei Jahren im niederländischen  Eindhoven und bastelten zusammen an einem  Projekt über alltägliche Video-Botschaften. Daraus  entstand »Confession«, ein Album, das von  Teitur Lassen und Nico Muhly schon im Januar in  der Hamburger Elbphilharmonie vorgestellt wurde  und nun am 5. Mai den Reigen der »Grenzgänge  « beim Ludwigsburger Festival eröffnet.  Auch der syrische Klarinettist Kinan Azmeh und  der aus Sri Lanka stammende Pianist Dinuk  Wijeratne zelebrieren »The Art of the Duo« im Ordenssaal  des Ludwigsburger Schlosses mit einer  ganz speziellen Symbiose aus Jazz, Klassik, arabischen  und asiatischen Musiktraditionen auf der  Grenze zwischen Komposition und Improvisation  (13. Mai). Einen originellen Zugang zu barocker  Musik hat der 2015 als Instrumentalist des Jahres  mit dem »Echo Klassik« ausgezeichnete Schweizer  Flötist Maurice Steger entdeckt: Als Graf Aloys von  Harrach nach fünfjähriger Regentschaft als Vizekönig  von Neapel 1733 nach Österreich zurückkehrte,  brachte der Hobby-Flötist etliche Notenhandschriften  mit, aus denen Steger und sein  Ensemble historisch versierter Instrumentalisten  seine »Souvenirs d’Italie« musizieren (23. Juni).  Eine andere Facette der Begegnung von klassischer  Musik, traditioneller Folklore und Jazz bietet  das türkische Taksim-Trio um den Klarinettisten  Hüsnü Senlendirici, das wieder im Kulturzentrum  Karlskaserne auftritt. Mit Ismail Tuncbilek  am Saz, der orientalischen Langhalslaute, und  Aytac Dogan am Kanun aus der Zither-Familie  knüpfen die drei bestens aufeinander eingespielten  Musiker phantasievolle Klangteppiche mit  feurigen und meditativen Mustern (10. Juni).  Natur-Meditationen spiegeln sich in Olivier  Messiaens »Catalogue d’oiseaux« ebenso wie in  Maurice Ravels »Miroirs«; schon der Barockkomponist  und Orgelvirtuose Louis-Claude Daquin  lässt Kuckuck und Schwalbe in seinen »Pièces de  Clavecin« lautmalerisch in Erscheinung treten.  Und als Hauptwerk seines Klavierabends im  Ordenssaal verwandelt der eminente französische  Pianist Pierre-Laurent Aimard bei Claude  Debussys »Images« Natureindrücke in kunstvoll  impressionistische Szenerie (29. Juni). Sein Landsmann  Jean-Guihen Queyras ist der Live-Mitspieler  bei Anne Teresa De Keersmaekers Tanzstück  »Mitten wir im Leben sind« und ihrem fünfköpfigen  Ensemble Rosas im Forum. Die belgische  Choreografin setzt dabei die verschiedenen  Charaktere und die strukturelle Spiritualität der  sechs Cello-Solosuiten von Johann Sebastian Bach  in ihre eigenwillige Tanzsprache um (12. Juli).  Mit »Cirque« von Mnozil Brass (30. Juni) und dem  populären Klassik Open Air & Feuerwerk am Seeschloss  Monrepos (14. Juli) haben die Ludwigsburger  Festspiele wieder zwei Blockbuster im Programm.  Das virtuose Blechbläser-Septett hat  schon im letzten Jahr mit seiner clownesken Circus-  Show musikalische Hits von Fledermaus bis  Schostakowitsch, Pop-Evergreens und Filmmusik-  Hits bis zu Gustav Mahlers »Ich bin der Welt abhanden  gekommen« genial dekonstruiert und  komödiantisch wieder zusammengesetzt. Wenn  am Monrepos zu Ravels Bolero – vom Orchester  der Schlossfestspiele neben anderen »Flammen  der Leidenschaft« von Bizet und Gershwin, Massenet  und Manuel de Falla live musiziert – bei traditionell  gutem Wetter die Feuerwerksraketen in  den Nachthimmel steigen, jubeln die Holzparkett-  Besucher auf der Festinwiese und die Picknick-  Gourmets auf dem Hügel dahinter gleichermaßen.  Jubel und Begeisterung wird es sicher auch wieder  für das südafrikanische MIAGI Youth Orchestra geben,  das auf seiner »Mandelas Centenary Tour 2018«  exakt am 100. Geburtstag Nelson Mandelas am  18. Juli das geistige Erbe des Staatsgründers in Ludwigsburg  mit Beethoven, Strawinsky, Bernstein und  Duncan Wards »Rainbow Beats« feiert. Ein lebendiger  Geburtstag wird schließlich im Abschlusskonzert  mit dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele  am 21. Juli begangen: »Happy Birth day,  Pinchas!« heißt es dann mit Zukerman und seiner  Frau Amanda Forsyth beim Doppelkonzert für  Violine und Violoncello von Johannes Brahms und  Gustav Mahlers 1. Sinfonie.   

Dietholf Zerweck 

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