Januar 2020

An Neujahr wollen wir Spaß haben

Drei Fragen an Dan Ettinger

Dan Ettinger ist Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker und als solcher Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Stuttgart. Am 1. Januar leitet er das Neujahrskonzert der Kulturgemeinschaft mit Tschaikowskys 4. Sinfonie und einer Operetten-Gala. Unser Autor Dietholf Zerweck hat ihn dazu befragt.

Lieben Sie Operette?

Ich kenne nicht so viele. Die guten Operetten mag ich schon. Wenn die Musik genügend Substanz hat, macht das auch Spaß. Für das Neujahrskonzert mit Stücken von Franz von Suppé, Léhar, Kálmán, Robert Stolz und Paul Abraham ist es vor allem die Atmosphäre, die zu diesem Jahresanfang passt. Petra Maria Schnitzer und Peter Seiffert, unsere beiden Solisten, haben die Nummern ausgesucht. Vor einigen Jahren hatte ich in Mannheim schon einmal das Vergnügen, ein ähnliches Programm zu dirigieren und damals waren mir diese Sachen vorher total unbekannt. Eigentlich sind die Lieder und Duette aus der »Csárdásfürstin «, der »Blume von Hawaii« oder dem »Land des Lächelns« sogar bezaubernd. Hauptsache es macht Spaß. Am 1. Januar wollen wir Spaß haben.

Sie haben mit Petra Maria Schnitzer und Peter Seiffert schon öfter musiziert. Was schätzen Sie an den beiden?

Mit Peter habe ich schon »Otello« in Wien gemacht und hier mit den Stuttgarter Philharmonikern den ersten »Walküre«-Akt und den zweiten Akt von »Parsifal«. Petra hat in meinen ersten Berliner Jahren als Kapellmeister die »Tannhäuser«-Elisabeth gesungen. Es ist jedes Mal eine Riesenfreude, mit ihnen zusammen zu musizieren. Peter hat eine solch natürliche Stimme mit einem alles überstrahlenden Glanz, das gibts heute fast gar nicht mehr. Es ist auch immer die Frage: Was spielt man für so ein Neujahrskonzert? Entweder nur Werke der Strauß-Familie und nur Operette, oder auch einen spannenden Kontrast? Eine dramatische Tschaikowsky- Sinfonie wie die Vierte passt da sehr gut. Zwei Hälften Rumtata-Musik würde ich nicht so gern machen, das wäre für mich zu uninteressant. Aber seriös und grandios gleichzeitig, das geht.

Sie sind seit fünf Jahren Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker. Ist es für Sie mit dem Orchester eine Herausforderung, innerhalb eines Konzerts von Tschaikowsky auf leichte Muse umzuschalten?

Wir spielen überhaupt viele Programme, in denen die Diversität einen großen Anteil hat. Das gehört zur Personalität des Orchesters, diese Flexibilität gehört zu unserer Arbeit. Die herausragende Qualität der Stuttgarter Philharmoniker spüre ich mehr denn je: dass es »mein« Orchester ist. Auch wenn ich mal zwei Monate weg bin, ist das immer von neuem begeisternd: Wie das Orchester klingt, wie es phrasiert, das ist unsere gemeinsame Sprache. Das spüre ich in der fünften Spielzeit noch viel mehr als in der zweiten oder dritten. Es ist diese Selbstverständlichkeit, diese Verantwortlichkeit jedes einzelnen Mitglieds des Orchesters, Teil unseres Musizierens zu sein.

Weitere Artikel
Juni 2020
Danke für Ihre Solidarität!

Offener Brief des Vorstands der Kulturgemeinschaft an unsere Mitglieder und unsere ...

Wie geht es Ihnen?

Wir haben unsere Kulturpartner gefragt, was die aktuelle Situation für ihre Einrichtungen ...

In Aufbruchsstimmung

Die Kunst um 1900 wird das Fokus-Thema der kommenden Saison sein: ein Vorausblick

März 2020
Raten Sie mal!

Zum 30-jährigen Jubiläum des Kunst-Abos

Musik für offene Türen

Katia und Marielle Labèque spielen mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Musik für einen guten Zweck: »Heartbeats«

Drei Fragen an den Dirigenten des Bundeswehr-Musikkorps

Februar 2020
Geschichte und Geschichten

Sechs Kunsterlebnisse führen von Mai bis Juli an außergewöhnliche Orte

Übersetzt in Streichersprache

Alban Gerhardt präsentiert Schumanns Cellokonzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Getanzter Liebestod

Wagners »Tristan & Isolde« als Ballett im Forum am Schlosspark

Januar 2020
Die Ohren dem Genuss öffnen

Beethovens Violinkonzert und seine Interpreten: Eine Betrachtung

Besuch bei einer alten Dame

Die letzten Tage der Kriminalschriftstellerin Patricia Highsmith

An Neujahr wollen wir Spaß haben

Drei Fragen an Dan Ettinger

Dezember 2019
Nicht immer Tristan und Isolde

Petra Maria Schnitzer und Peter Seiffert singen Operettenmelodien

Macht Veganismus schwul?

Lachen im Abo: Beim Renitenzgipfel geht es alles andere als politisch korrekt zu

Der Märchenstar im Interview

Drei Fragen an Aschenputtel

November 2019
Sinn für das Wahre und Ernste

Gesellschaftliche Selbstvergewisserung: Das Oratorium in Geschichte und Gegenwart

Mit dem Rücken zum Publikum

Drei Fragen an Robert Trevino

Er sagt Nein zum Geld

Warum immer mehr? Flavia Costes Komödie fragt nach den Grenzen des Wachstums

Verwendung von Cookies

Zur Bereitstellung des Internetangebots verwenden wir Cookies. Bitte legen Sie fest, welche Cookies Sie zulassen möchten

Diese Cookies sind für das Ausführen der grundlegenden Funktionen der Website notwendig und können nicht abgewählt werden. Diese Cookies dienen nicht zum Tracking.

Funktionale Cookies dienen dazu, Ihnen externe Inhalte anzuzeigen.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen wie unsere Webseite genutzt wird. Dadurch können wir unsere Leistung für Sie verbessern. Zudem werden externe Anwendungen (z.B. Google Maps) mit Ihrem Standort zur einfachen Navigation beliefert.

  • Wird verwendet, um Daten zu Google Analytics über das Gerät und das Verhalten des Besuchers zu senden. Erfasst den Besucher über Geräte und Marketingkanäle hinweg.