Kultur für alle! Kultur aus einer Hand! 100 Jahre! Das feiern wir mit Ihnen!

 

Kultur in die Breite zu tragen, ist heute so wichtig wie vor hundert Jahren. Allerdings haben sich unsere Aufgaben stark verändert. 1924 haben wir für unsere Mitglieder aus einem knappen kulturellen Angebot Plätze gesichert. Heute machen wir uns für unsere herausragende Kultur und die große kulturelle Vielfalt in Stuttgart und der Region stark. Ein Abonnement, eine Mitgliedschaft bei der Kulturgemeinschaft ist heute auch ein Bekenntnis zur lebendigen Kultur vor Ort, zu Begegnung und Austausch. 

 

Als größte Kulturvermittlerin Süddeutschlands präsentiert die Kulturgemeinschaft zum 100-jährigen Jubiläum die Vielfalt der Stuttgarter Kultur und der Region in ihrer ganzen Breite. Gefeiert wird im Gründungsmonat über zwei Wochenenden hinweg vom 14. bis 21. September 2024.

30.04.2024 / 20-22 Uhr
Traditionskonzert der Kulturgemeinschaft am Vorabend zum 1. Mai mit den Stuttgarter Philharmonikern

Liederhalle / Berliner Platz 1-3 / 70174 Stuttgart

 

Traditionskonzert  zum Internationalen Tag des Jazz!

 

BERNSTEIN Three Dance Episodes aus dem Musical „On The Town“ /  BEETHOVEN Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll / Frank Dupree, Klavier

ŠIMA „Urban Places“ (Uraufführung) / Obi Jenne Quartett: Libor Šima, Komposition & Saxophon / Olaf Polziehn, Klavier / Obi Jenne, Schlagzeug / Jakob Krupp, Kontrabass

 

Frank Dupree, Dirigent

 

ONLINE-TICKET

KARTENTELEFON 0711/ 224 77 20

Jubiläumsprogramm 14. - 22.09.2024

Wir sind noch in Planung. Änderungen vorbehalten. Anmeldungen & Vormerkungen sind daher aktuell noch nicht möglich. Wir bitten um Verständnis.

14.09.2024 / 15 - 20 Uhr
Kulturpolitische Tagung »Kultur für alle - Kultur von allen«

Willi-Bleicher-Haus (Gewerkschaftshaus) / Willi-Bleicher-Str. 20 / 70174 Stuttgart

 

Zum Auftakt laden wir in Kooperation mit der DGB-Region Stuttgart zu einer kulturpolitischen Tagung mit Workshops und Podiumsdiskussion ein: »Kultur für alle – Kultur von allen« am 14. September. Für den Impulsvortrag konnte Stefan Körzell, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Ruhrfestspiele Recklinghausen, Mitglied im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand, gewonnen werden. Für zwei der sechs Workshops haben Timo Brunke (Sprache/Text) und Mimi Kohler (Bildende Kunst) bereits zugesagt. Es geht um »Kunstform«,  »Kunst - Arbeit« und »Kultur - eine Lebensweise«.

14.09.2024 / 20 - 22 Uhr
Lichtkunst & Musik

Geschäftsstelle Kulturgemeinschaft / Willi-Bleicher-Str. 20 / 70174 Stuttgart 

 

LICHTKUNST MITTEN IN STUTTGART

 

Der Lichtkünstler Laurenz Theinert projiziert die Geschichte der Kulturgemeinschaft als Lichtkunstwerk an die Fassade des Willi-Bleicher-Hauses der Kulturgemeinschaft. Im zweiten Teil ist eine Lichtperformance zu Musik zu sehen. Voraussichtl. Straßensperrung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Haus der Wirtschaft. Diese Veranstaltung ist kostenlos.

 

Alle sind eingeladen auf der Straße, Mitten in Stuttgart, 100 Jahre Kulturgemeinschaft und die Kunst zu feiern!

19.09.2024 / 19-21 Uhr
Vernissage »100 Jahre! Kulturgemeinschaft«

Willi-Bleicher-Haus (Gewerkschaftshaus) / Willi-Bleicher-Str. 20 / 70174 Stuttgart

 

Vom 19. September bis 18. Oktober zeigen wir im Willi-Bleicher-Haus die Ausstellung »100 Jahre KTG« - kostenlos.

20.09.2024 / 19-21.30 Uhr
Festakt zum Doppeljubiläum
der Kulturgemeinschaft & der Stuttgarter Philharmoniker

Liederhalle / Berliner Platz 1-3 / 70174 Stuttgart

 

Die Abonnentinnen und Abonnenten der Kulturgemeinschaft und der Stuttgarter Philharmoniker sind dazu eingeladen. Neben den Ansprachen der Vertreter von Stadt und Land werden kurze Filmtrailer der beiden Institutionen gezeigt. Weitere Informationen erhalten die Eingeladenen über die Institutionen direkt.

 

WEBER / GERSHWIN / RESPIGHI

 

Fabio Martino, Piano / Dan Ettinger, Dirigent

21.09.2024 / 15-22 Uhr
»Die ganze Vielfalt der Stuttgarter Kultur!« (in Planung)

Willi-Bleicher-Haus / Willi-Bleicher-Str. 20 / 70174 Stuttgart

 

Die »Ganze Vielfalt der Stuttgarter Kultur« kann bestaunt werden. Unsere Kooperationspartnerinnen und -partner präsentieren Geburtstags-Beiträge und Interventionen. Ein dichtes Programm! Diese Veranstaltung ist kostenlos.

21.09.2024 / 20 - 22 Uhr
Lichtkunst II. & Quartett des Stuttgarter Kammerorchesters

Geschäftsstelle Kulturgemeinschaft / Willi-Bleicher-Str. 20 / 70174 Stuttgart 

 

LICHTKUNST MITTEN IN STUTTGART

 

Der Lichtkünstler Laurenz Theinert projiziert die Geschichte der Kulturgemeinschaft als Lichtkunstwerk an die Fassade des Willi-Bleicher-Hauses der Kulturgemeinschaft. Im zweiten Teil ist eine Lichtperformance zur Musik eines Quartetts des Stuttgarter Kammerorchesters zu bestaunen. Voraussichtl. Straßensperrung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Haus der Wirtschaft. Diese Veranstaltung ist kostenlos.

 

Alle sind eingeladen auf der Straße, Mitten in Stuttgart, 100 Jahre Kulturgemeinschaft und die Kunst zu feiern!

21. & 22.09.2024
Themenführungen »Stuttgart mal ganz anders!« (in Planung)

An verschiedenen Orten im Stadtgebiet

 

Stuttgart hat eine vielfältige, wertvolle Kulturgeschichte. Das Kunst-Büro der Kulturgemeinschaft zeigt am 21. und 22. September bei speziellen Themenführungen »Stuttgart mal ganz anders!«. Was sich dahinter verbirgt? Das ist eine Überraschung!

 

 


GESCHICHTSSPLITTER I

»Die Kunst dem Volk!«

 

Nach der Gründung der Stuttgarter Volksbühne e. V. im September 1924 erscheint im selben Monat auch die erste Ausgabe der »Monatshefte der Stuttgarter Volksbühne E. V«. Im Geleitwort geht Karl Mössinger, der Vorsitzende der Stuttgarter Volksbühne, noch einmal auf den Prozess der Gründung einer »Kulturgemeinde« ein. »Wie manchesmal musste an dem Werk die Arbeit umgestellt, wie manchesmal der ganze Aufbauplan geändert werden, und es gab auch Zeiten, in denen ein leichter Zweifel einzog, ob es überhaupt gelingen sollte, die St. VB. vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Und doch ist in Zeiten schwerster wirtschaftlicher und seelischer Not das Werk gelungen […]. Bis vor wenigen Monaten waren wir eine mehr lose Mitgliedschaft, bei der nur das Interesse des verbilligten Theaterbesuchs das Band der Zusammengehörigkeit bildete. […] Jetzt haben wir aber das ursprünglich gewollte erreicht – eine feste Mitgliedschaft, eine Theater- und, was mehr ist – eine Kulturgemeinde. Diese mehr und mehr auszubauen, sie ihren Zielen näher zu führen, das wird noch ein schweres Stück Arbeit kosten, aber es wird erreicht werden, denn das gute bricht sich Bahn.« Die Zahl der Mitglieder der Stuttgarter Volksbühne stieg kontinuierlich, im Juli 1925 zählte man bereits 5400 Mitglieder. Allerdings hatte man auch Erwartungen idealer Art an die Mitglieder. »Wer sich der Volksbühne anschließen will, muss durchdrungen sein von der Notwendigkeit einer neuen Gemeinschaftskultur, die alle Volksgenossen teilhaft werden lässt der Errungenschaften kulturellen Strebens, die aufräumt mit allen Privilegien eines satten Spießertums und aller geistiger Bevormundung; und er muss den ernsten Willen zu Kunst haben, aus dem Bewusstsein heraus, dass jedes Erlebnis eines echten Kunstwerksfreier und reicher macht.«

Daneben scheint es aber auch notwendig gewesen zu sein, die Mitglieder über richtiges und falsches Verhalten beim Theaterbesuch ganz praktisch aufzuklären. Auf eher ironische Art stellt man das Verhalten von Theaterbesuchern und Theaterfreunden – beide in der Volksbühnengemeinde vertreten – in der vierten Ausgabe von 1925 gegenüber. Dabei ist der Theaterbesucher weniger rücksichtsvoll als der Theaterfreund. Der Theaterbesucher erscheint erst nach Abdunkeln des Lichts, tritt den anderen Vorstellungsbesuchern auf die Füße, beschwert sich lautstark über die anderen, nimmt geräuschvoll Platz, damit jeder weiß, dass er angekommen ist. Er unterhält sich während der Veranstaltung mit seinem Nachbarn, packt geräuschvoll sein mitgebrachtes Essen aus, das er laut schmatzend verzehrt. Auch nach der Pause kümmert er sich wenig um das Läuten und verhält sich nach dem dritten wie zu Beginn der Vorstellung rüpelhaft. Auch am Veranstaltungsende beginnt er schon vor dem Verklingen des letzten Tons mit dem Run auf die Garderobe. Selbstverständlich verhält sich der Theaterfreund dagegen vorbildlich. Er sitzt bereits vor der Vorstellung auf seinem Platz, bleibt während der Vorstellung still, isst in der Pause, kehrt dann bereits beim ersten Läuten auf seinem Platz zurück und spendet den Künstlern Beifall bevor er zur Garderobe geht. Konkrete Anleitungen für »Theaterbesuch und Kunstgenuss« erscheinen auch in der folgenden Ausgabe. Dabei wird nicht nur auf Pünktlichkeit und Ruhe bei der Vorstellung sowie auf das Verhalten danach verwiesen, sondern an erster Stelle steht die Aufforderung »Lasse beim Eintritt ins Theater die Sorgen draußen!« Es folgen weitere Ratschläge, die eher von aufklärender Art sind, z. B. dass eine Pause in einem Stück künstlerische Absicht ist und deshalb kein Anlass für Räuspern und Rücken ist. Auch Appelle, sich auf das Stück einzulassen und »mitzugehen« oder sich nicht zu schämen, wenn man von einem Werk ergriffen wird, gehören dazu.

Einen Schwerpunkt in der Publikation liegt aber auf den Informationen zu den gezeigten Stücken und auf Abhandlungen über Kunst. Dabei finden sich Themen wie »Die Arbeiter und das Theater«, »Das klassische Drama der Gegenwart«, »Gedanken über Goethes Kunst« oder Informatives über die Entstehung eines Bühnenstücks oder das Zustandekommen einer Opernaufführung. Berichte über die Arbeit der Volksbühne sind ebenfalls Bestandteil der Publikation. JUTTA SCHÄFER

GESCHICHTSSPLITTER II

1930 rassistisch gefärbter Theaterskandal

 

Der in der Satzung des Vereins der Stuttgarter Volksbühnen e.V. von 1924 verankerte Zweck ist es, die »kulturellen Wirkungen, namentlich der dramatischen Kunst weitesten Volkskreisen zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen«. Dieses Ziel sollte erreicht werden durch »Vermittlung künstlerisch wertvollen Darbietungen, insbesondere von Bühnenwerken und Einführung in deren Verständnis.«

Die Volksbühne wollte also nicht nur ein Verein zum Bezug billiger Theaterkarten sein, sondern auch anleiten und erziehen. Dieses Ziel hatten auch andere, die nicht wie der Verein der Stuttgarter Volksbühnen e.V. den Gewerkschaften verbunden waren. So existierte in Stuttgart beispielsweise zeitgleich auch der rechts orientierte BühnenVolksbund mit ca. 15 000 Mitgliedern. Wie stark sich nationalsozialistische Vorstellungen und Werte ausbreiteten und Nationalsozialisten sich bereits vor 1933 in die Kulturpolitik einmischten, wird an einem rassistisch gefärbten Theaterskandal deutlich, der auf den zunehmenden organisierten Terror verweist. Er entzündete sich 1930 an der deutschen Uraufführung des Singspiels »Schatten über Harlem« von dem jüdischen Ossip Dymow am Stuttgarter Landestheater. Während der Vorstellung kam es zu Störungen durch Nationalsozialisten, die durch Zwischenrufe und Pfeifkonzerte die Aufführung verhindern wollten. Nach der Vorstellung kam es auf dem Theaterplatz zu Ausschreitungen mit der Polizei. In Sprechchören ertönte »Deutschland erwache! Juda Verrecke«. Es kam zu Verhaftungen, doch die Ausschreitungen wiederholten sich auch bei der nächsten Vorstellung. 1930 gab es zwar nur einen Abgeordneten der NSDAP im württembergischen Landtag, Christian Mergenthaler (1933 Ministerpräsident und Kultminister), der sich aber lautstark Gehör verschaffte. Mit einer kleinen An frage an die Regierung wollte er wissen, wie es sein kann, »dass in einem wahrhaft deutschen Theater ein jüdischer Komponist Negermusik zur Aufführung bringen dürfe und das mit deutschen Steuergeld bezahlt würde.« Er bezeichnete die Aufführung als »nationale Würdelosigkeit« und forderte, dass »erstens Missgriffe in der Auswahl künftig vermieden werden und zweitens das Negerstück Dymows vom Spielplan abgesetzt werde«. Außerdem müsse er darauf hinwirken, »dass bei Fortdauer der Missgriffe der Theaterleitung in möglichster Bälde eine Neubesetzung in der Leitung der Landestheater stattfinde.« Presse und Öffentlichkeit stellten sich gegen die Nationalsozialisten, doch das Stück wurde nach der dritten Aufführung angeblich wegen Krankheit eines Schauspielers vom Spielplan genommen. Die wahren Gründe waren Sorge um die Schauspieler, die verfolgt und beschimpft wurden.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 bestand der Verein der Stuttgarter Volksbühnen e.V. zunächst unter diesem Namen weiter, wurde dann in „Kulturgemeinde Stuttgart e.V.“ umbenannt und am 1. Oktober 1937 von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ übernommen und der Kreisdienststelle Stuttgart unterstellt. Geschäftsführer blieb Carl Wildhirt, der 1929 zum 1. Vorsitzenden der Stuttgarter Volksbühne gewählt worden war. Die in der Satzung von 1933 formulierten Ziele waren nahezu identisch mit denen von 1924, sie enthielten nun noch die Ergänzung » Der Verein ist politisch und konfessionell neutral«. Doch die kulturelle Landschaft war eine andere geworden. Zwar wurde noch am 15. Januar 1933 in Stuttgart die Übertragung eine Rede Hitlers im Radio durch das Durchtrennen eines Rundfunkkabels sabotiert, doch die Gleichschaltung und damit das Ende künstlerischer Freiheit konnte nicht verhindert werden. In allen Bereichen der Kunst gab es Verbote, Ausgrenzung und sogenannte »Säuberungen«. Schlagworte waren »Kulturbolschewismus« und »Entartete Kunst«. Letztere bezog auch Musik und Literatur mit ein. Freiraum für künstlerische Entfaltung gab es nur noch im Rahmen der NS-Ideologie. JUTTA SCHÄFER


GESCHICHTSSPLITTER III

»Stunde Null«

 

Der 8. Mai 1945, der Tag der Kapitulation, bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs. Die letzten deutschen Truppen hatten Stuttgart schon im April verlassen, ebenso Ortsgruppenleiter und Parteistäbe der NSDAP. Zurück blieben Trümmer und Zerstörung. Die Innenstadt mit Sitz der wichtigsten Behörden war fast vollständig zerstört, Wohngebiete stark beschädigt, Brücken gesprengt, Straßen unpassierbar und das Versorgungswesen größtenteils betriebsunfähig. Am 21. April 1945 wurde Stuttgart durch Oberbürgermeister Strölin an das französische Militär übergeben. Dieses setzte den Rechtsanwalt Dr. Arnulf Klett als neuen Oberbürgermeister ein, der am 25. April in sein Amt eingeführt und mit der schwierigen Aufgabe der Reorganisation aller öffentlichen Bereiche betraut wurde.

Stuttgarter Gewerkschafter, die sich noch während des Krieges bei illegalen treffen über künftige Aufgaben berieten, boten der Militärregierung und der Stadtverwaltung ihre Mitarbeit beim Aufbau und Instandsetzung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens an. Am 4. Mai 1945 kam dann ein Treffen der Gewerkschaftsvertreter mit dem Oberbürgermeister zustande mit dem Ziel, die dringendsten Aufgaben festzulegen, darunter so wichtige wie die Neubesetzung von städtischen Behörden und Verwaltungen. Zu den Aufgaben der Gewerkschaften gehörte es, tragende Stellen von Ortskrankenkasse und dem Stuttgarter Arbeitsamt neu zu besetzen und die Einrichtungen wieder funktionsfähig zu machen. Eine erste programmatische Erklärung mit den Grundsätzen künftiger Gewerkschaftsarbeit erfolgte am 7. Mai 1945, die eigentliche Gründung des Ortsausschusses Stuttgart fand dann am 13. August 1945 statt. Neben dem Aufbau des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens waren Gewerkschafter auch am Aufbau und der Reorganisation von Kulturorganisationen der Arbeiterbewegung, wie Arbeiterwohlfahrt, Arbeitersängerbund, Arbeitersamariterbund Arbeitersportler und die Konsum- und Baugenossenschaften beteiligt, deren Organisationen während der Nazidiktatur zerschlagen worden waren. Die Neugründung der Kulturgemeinschaft unter dem Namen »Kulturgemeinschaft des DGB« erfolgte schon kurz nach Kriegsende.

Die erste Veranstaltung der Kulturgemeinschaft und eine der ersten kulturellen Veranstaltungen im Bundesgebiet überhaupt, fand am 21. Juli 1945 in Stuttgart im Großen Haus statt. Das Große Haus, seit 2002 in »Opernhaus« umbenannt, war Teil der 1912 eröffneten Königlichen Hoftheater von Max Littmann, die nach dem Ende der Monarchie in »Württembergische Staatstheater« umbenannt worden waren. Anders als das Kleine Haus, das durch mehrere Bombardements völlig zerstört wurde, blieb das Große Haus nahezu unbeschadet und stand inmitten der Trümmer als Veranstaltungsort zur Verfügung für Beethovens 9. Sinfonie, dirigiert von Konrad Brenner. Alfred Wiedmann, erster Geschäftsführer der Kulturgemeinschaft des DGB, erinnert sich: »Beethovens Neunte Sinfonie war für alle Teilnehmer eine beglückende und befreiende Feierstunde. Ermutigt durch das gute Gelingen der ersten Veranstaltung, die auch bei der amerikanischen Militärregierung große Beachtung gefunden hat, fanden sich in den Räumen der Bühnengenossenschaft im Staatstheater einige Kollegen zusammen, um die weitere Entwicklung zu beraten. Paul Hofstetter, Max Erhardt, Wilhelm Gohl, Kammermusiker Max Heine, Wilhelm Müller und Karl Schmid gründeten die Kulturgemeinschaft des DGB. Die Kollegen konnten damals noch nicht ahnen, dass die Kulturgemeinschaft sich zu einer der größten Besucherorganisationen entwickelte und gerade heute einen bedeutenden Platz in der Stadt Stuttgart aber auch innerhalb der Volksbühnenbewegung einnimmt.« JUTTA SCHÄFER

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