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Wissen was Läuft

Editorial




Editorial
Vor Jahresfrist befand man sich vielleicht noch in einer Art Schockstarre wegen der auf uns zukommenden globalen Finanzkrise. Heute haben wir bereits einen (ers-ten?) Versuch hinter uns, die nächste Stufe der finanzmarktgesteuerten Infamie abzuwehren, nämlich, unsere europäische Währung vor raffgierigen Spekulanten zu retten. Natürlich ist es immer ratsam, nicht sofort in Panik zu verfallen und nach der nächstbesten anstatt nach der besten Lösung zu rufen. Aber wundern darf man sich schon, dass es den ­Europäern so schwer fällt, rechtzeitig, bevor das Kind im Brunnen liegt, gemeinsame Maßnahmen zum eigenen Schutz zu treffen. So lange aber Eigeninteressen das Denken und Handeln der Entscheider steuern, ist Besserung leider nicht zu erwarten. Das Gebot der Stunde heißt dabei jedoch mehr denn je: quali­tätsvolle, am allgemeinen Interesse (der Bevölkerung!!) orientierte Zusammenarbeit.
Das gilt im Großen, das gilt auch im Lokalen. Die Zeiten werden künftig rauer sein für Stuttgarts Kulturlandschaft. Die Fraktionen des Gemeinderats beraten in diesen Tagen über Möglichkeiten, das anstehende Kürzungsvolumen von 450.000 Euro umzusetzen. Der mittlerweile legendäre Brief von Kultur-bürgermeisterin Frau Dr. Eisenmann hat seine beabsichtigte Wirkung nicht verfehlt, die Kulturschaffenden verharren wie das Kaninchen vor der Schlange. Es rächt sich jetzt, dass in der Vergangenheit keine Strukturen aufgebaut wurden, die ein gemeinsames, entschlossenes Handeln erlauben würden.
Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät. Am 9. und 10. Juli findet in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste der öffentliche »Stuttgarter Kulturdialog. II. Akt« statt. Dies soll die Auftaktveranstaltung zu einer gründlichen Bestandsaufnahme der Stuttgarter
Verhältnisse und Möglichkeiten werden. Vielleicht ist dies dann der erste Schritt zur fälligen Kunstförderkonzeption für unsere Stadt. Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Näheres findet sich (bald) unter www.stuttgarter-kulturdialog.de.
Die Akademie selbst steht auch vor einem Neuanfang, Petra von Olschowski, bislang Geschäftsführerin der Kunststiftung, wurde vor wenigen Tagen zur neuen Rektorin berufen. Es ist immer etwas befremdlich, wenn der Amtsinhaber »abgewählt« wird, wenn dann aber Dritte der Nachfolgerin unlautere Methoden nachtuscheln, ist das schlechter Stil und unrichtig. Es gibt wenige Personen mit Einfluss in der Kulturszene der Stadt und des Landes, die so integer und gradlinig sind wie Frau von Olschowski. Von dieser Stelle aus wünsche ich unserer langjährigen Kooperationspartnerin alles Gute und viel Fortune für das Zerschlagen so mancher Gordischer Knoten, die auf sie zukommen dürften. Den Mitgliedern der Kulturgemeinschaft wünsche ich einen schönen Sommer und allen Fußballfreunden eine tolle WM.
Peter Jakobeit