Wissen was Läuft
Editorial
Editorial Dass derzeit über Stuttgart kein guter Stern steht, musste sogar die FDP feststellen. Ihr Dreikönigstreffen, für gewöhnlich von der leitenden Kraft des weihnachtlichen Himmelsschmucks profitierend, litt diesmal unter plötzlicher Orientierungs-losigkeit. Nicht viel besser geht es der Internationalen Bachakademie. Diese Einrichtung, dem christlichen Gedanken durchaus mehr verpflichtet als andere, durchlebt in diesen Tagen so finstere Zeiten, dass man umgehende Erleuchtung für die Hauptbeteiligten herbeisehnt. Es ist dabei aber ein wenig zu kurz gegriffen, das Problem am Starrsinn zweier älterer Alphatiere fest zu machen. Im Grunde geht es um den Intendanten Christian Lorenz, der eigentlich all das gemacht hat, was von ihm verlangt wurde. Er hat das einstige »Europäische Musikfest« zu einem »Stuttgarter Musikfest« mit internationaler Ausstrahlung umgeformt. Der Publikumszuspruch nahm zu und das Publikum hat sich verjüngt - eine Erfolgsgeschichte. Die Entscheidung des Vorstands, diesen Mann, gegen den ausdrücklichen Wunsch Helmuth Rillings, loswerden zu wollen, kann keinem gött-lich-en Ratschluss geschuldet sein. Hoffentlich geschieht noch ein Wunder … Ein Wunder wünscht man auch dem Staatsschauspiel. Der Termin der Wiedereröffnung des sanierten Hauses am 17. und 18. Februar steht zwar, aber unter welchen Umständen das passiert, weiß man nicht so genau. Immerhin, für uns Zuschauer wird der ganze Ärger noch am wenigsten spürbar sein. Wobei die Frage erlaubt sei, warum erst im Dezember festgestellt wurde, dass der Februartermin extrem gefährdet ist. Nach der schwierigen Verschiebung des Umzuges im Sommer hätte man gewarnt sein können. Auch auf dem Projekt »Kultur im Dialog« liegt kein übermäßiger Segen. Vor Jahresfrist hat der Gemeinderat noch einstimmig der Entwicklung kultureller Leitlinien zugestimmt. Die Bürgerstiftung Stuttgart hat KiD dann bis zum heutigen Zeitpunkt weitgehend finanziert, natürlich unter dem Vorbehalt, dass im Doppelhaushalt 2012/2013 der Landeshauptstadt entsprechende Mittel zur Weiterführung bereitgestellt werden. Bei der entscheidenden dritten Lesung des Haushaltes wurde dann über einen entsprechenden Antrag nicht einmal abgestimmt. Zum einen grenzt das an Wortbruch, zum anderen brüskiert man viele Hundert Stuttgarter Bürger, die sich bis heute durch ihre Teilnahme an Arbeitsgruppen, Kongressen usw. um die kulturellen Belange ihrer Heimatstadt kümmern. Bürgernähe sieht anders aus! Aber etwas Erfreuliches zum Jahresbeginn will ich doch noch vermelden. Das »Dreikönigskonzert« des Stuttgarter Kammerorchesters war ein großer Erfolg bei Publikum und Kritik und entwickelt sich mehr und mehr zu einem musikalischen Pflichttermin in der Stadt. Gleiches gilt für das »Neujahrskonzert« mit den Stuttgarter Philharmonikern. Ganz besonders habe ich mich aber über den Erfolg unserer beiden Dezember-Konzerte mit der jungen Pianistin Magdalena Müllerperth gefreut. Die Künstlerin steht vor einer großen Karriere, die ihren Anfang zu keinem kleinen Teil bei der Kulturgemeinschaft in Stuttgart nahm. Peter Jakobeit
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